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  • Christina Lamsal

Über das Lernen für die Pferde und mit den Pferden

Aktualisiert: 17. Aug 2020


Wie mein wildes Pferd mich dazu brachte in meine Kraft und Führung zu gehen.

Gestern war alles anders als sonst, wenn ich mit Plume d´ange spazieren gehe. Meist brauchen wir eine Weile unsere Energie zu entdecken und manchmal geht alles sehr schleppend. Nicht so gestern. Als ich den Hof verließ ahnte ich noch nichts. Alles schien zu sein wie immer. Ich hatte den baumlosen Sattel einer Freundin zum Ausprobieren aufgelegt und wollte an unserer gewohnten Stelle aufsteigen. Schon beim Vorbereiten des ungewohnten Sattels stieg die Unruhe und Anspannung bei meinem Pferd. Sie konnte keine Sekunde stehen. Sehr untypisch. Dann saß ich auf – um kurz darauf wieder abzuspringen. Dieses Level an Anspannung verhieß nichts Gutes und der Sattel fühlte sich an, als würde er bei jeder kleinen Bewegung zur Seite rutschen. Okay, dann eben laufen dachte ich und setzte mich in Bewegung. Ich bin im Gelände grundsätzlich für beides ausgerüstet. Reiten und Laufen. Meinen sehr langen Zügel kann ich bei der gebisslosen Zäumung so verschnallen, dass ich damit führen kann, wie mit einem normalen Stallhalfter. Nach ein paar Metern aber zog mir mein Pferd das Seil durch die Hand, aus dem Augenwinkel hatte ich mitbekommen, dass Sie ihre Höchste-Aufregung-Bewegung gemacht hatte. Das ist ein Sprung nach hinten oben mit Kopfschlagen und Vorderbein über das Seil heben. Daher der Ruck in meiner Hand. Ich hatte schnell alles wieder eingesammelt und dachte mir okay okay, dann eben wieder nach Hause- ich war einfach zu schlapp und hatte Kopfschmerzen. Aber dann sagte eine Stimme in mir, dass mir wohl ein bisschen Bewegung auch gut täte und das eine gute Gelegenheit wäre an unserer Beziehung zu arbeiten.


Das war dann auch ein guter Entschluss, wie sich herausstellte. Zu Beginn war ich langsam und machte Fehler. Aber diese innere Langsamkeit hatte auch etwas Gutes, das spürte ich von Anfang an. Sie verlieh mir eine Ausstrahlung von vertrauenswürdiger Dampfwalze. Ich lief einige Male langsam im Zickzack um meine Führposition zu halten oder zu verbessern und achtete sehr genau darauf meinen Raum zu wahren. Aber es blieb ziemlich anstrengend und mir fehlte auch die Verbindung zu meinem Pferd, die wir sonst haben. Irgendwann hatte ich den Eindruck ich sollte ein bisschen aktiver werden in meiner Rolle und versuchte mein Pferd mit den üblichen Bewegungen zu stoppen. Klappte einmal, beim zweiten Mal nicht mehr. Es ratterte wieder in meinem Kopf und dann kam beim nächsten Versuch eine äußerst effiziente Bewegung meines Körpers dabei heraus.


Ich stoppte meine Stute mit einer Drehung zu ihr hin und als sie anschließend abwechselnd rechts und links an mir vorbei wollte, verschloss ich diese Räume jeweils mit meiner Präsenz und mit dem durch die Gerte verlängerten Arm. Drei oder vier Anläufe hatte sie gestartet um an mir vorbei zu kommen, danach stand sie und sah mich das erste Mal direkt an. Die Verbindung war da. Ab diesem Moment war es anders. Plume war immer noch aufgeregt, wieherte ab und an und war und sehr flott unterwegs, aber die Verbindung war wieder da. Wir liefen in wechselnden Führpositionen und ich konnte ihr mit feinsten Signalen sagen ,dass sie einen Augenblick hinter mir bleiben möge oder von rechts nach links die Seite wechseln möchte.


Was ist daran Besonders wirst du dich vielleicht fragen? Genauso hätte ich vor zwei Jahren auch gefragt. Mit Horsemanship und einer klaren Führposition hinter mir hätte ich wahrscheinlich viel schneller ein braves Pferd am Seil gehabt. Genau das möchte ich aber nicht (mehr). Ich möchte Verbindung, ein selbstbewusstes Pferd, das auch mal Entscheidungen treffen darf, aber natürlich auch Sicherheit für mich und mein Pferd. Das bedeutet, dass ich aktiv in die Verantwortung und Führung gehen muss schon lange bevor es brenzlich wird.


Aber ich habe noch einen Grund warum ich dir diese Geschichte erzähle. Ich habe nämlich aktuell sehr wenig Erfahrung mit "wilden" Pferden und war eigentlich auch gar nicht in der Verfassung für dieses Thema. Es ist seit Wochen schon sehr heiß, und selbst unabhängig von den Temperaturen gibt es seitens der Pferde selten Energieausbrüche. Die Pferde auf unserem Hof gestalten ihr Leben sehr frei und sind immer in Bewegung. Die Große Erkenntnis für mich war, dass ich- wenn auch nicht wirklich drauf vorbereitet- dennoch mich auf meinen Körper und meine Intuition verlassen konnte.


Das ist für mich ein großer Erfolg. hatten wir, Janne und ich doch viel Zeit damit verbracht unseren Körper und Geist zu schulen. Mit aber insbesondere auch ohne Pferde in Körperübungen, Theaterlektionen, Meditation und Qigong.


Es funktioniert! Wenn du deinen Körper schulst und deinen Geist zur Ruhe bringst, wird sich deine Zusammensein und deine Arbeit mit Pferden verändern. Das kommt nicht von alleine.


Und hier kommt noch die Auflösung für dich. Was ich nicht wusste, als ich mit meinem Pferd in den Wald zog ist, dass die Hormone für die Aufregung verantwortlich waren. Plume ist seit Tagen rossig und in beide Wallache verliebt, mit denen sie in der Herde steht. Die ganze Herde ist ziemlich aufgeregt und sehr verbunden. Das wurde für Plume dann zum Problem, als wir die Straße überquert haben und in den Wald gelaufen sind. Da alles kontrollierbar blieb und auch das Stresslevel meines Pferdes sich nach kurzer Zeit reguliert hat, habe ich mich daran erfreut mein Pferd voll Energie zu erleben und freue mich mit ihr, dass sie in ihrer neuen Herde nun wirklich angekommen ist.

#tierfreundlich #Hotels #Hunde #Katzen

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