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  • JanneOltmanns

Mein Weg mit den Pferden: Wie ich meine innere Energie fand

Aktualisiert: 3. Aug 2020


Viele viele viele Pferde... und ich

Schon seitdem ich ein kleines Mädchen war, interessierte mich die Kommunikation mit den Pferden stärker als das Reiten. Die Verbindung zu den Tieren mehr als die Leistung mit ihnen. Bei meiner Tante, die neben einem Haflinger noch drei Shetlandponys hielt, verbrachte ich in meiner Kindheit fast alle Ferien und unzählige lange Wochenenden.

Mit den Shettys ging ich spazieren und durfte mit ihnen frei arbeiten. Das war eine ungemein wertvolle Erfahrung und ich habe im Umgang mit den Pferden viel gelernt. Doch trotzdem dachte ich immer: Das ist noch nicht alles.

Ich spürte noch nicht die Verbindung, die ich mir wirklich wünschte. Konnte noch nicht so frei kommunizieren, wie ich irgendwie bereits als Kind spürte, dass es doch möglich sein müsste.

Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich an Reiterhöfen und an privaten Ställen mit eigenen Pflegepferden. Anstatt einer Bezahlung mistete ich aus, fegte, mistete mehr aus, fegte ordentlicher, hakte Hallenböden, stapelte Stroh und Heu, verteilte Futter, äppelte Weiden und Paddocks ab. Kurzum: ich tat was Pferdemädchen nun mal tun.

Manchmal gab es Momente, in denen ich einen Hinweis darauf bekam was noch kommen könnte. Wenn Rasputin, der im großen und ganzen genug von Menschen hatte, mir durch die Halle folgte während ich hakte. Wenn ich Blümchen anders als die anderen Mädchen ohne Gerte und Sporen ritt und sie plötzlich richtig fleißig vorwärts lief. Wenn Klärchen beim Reiten nur durch einen Gedanken anhielt und ich ganz frei mit ihr spazieren ging. Ich konnte nie sagen woran es lag, aber es gab sie, diese magischen Momente. Momente, für die sich die zahlreichen Arbeitssunden lohnten.

Der Weg geht durch die eigene Verletzlichkeit

Sehr viel später, mit meinem eigenen jungen Pferd, habe ich Horsemanship praktiziert. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass Horsemanship häufig keine echte Kommunikation ist, ich das Pferd in vielen Fällen förmlich anbrüllte anstatt zu flüstern.

Dass die feinen Zeichen, die ich etablierte, oft nichts weiter waren als schlichte Konditionierung. Auch wenn es mir erst spät klar wurde. So dachte ich doch schon früher: Das kann es noch nicht gewesen sein. Da muss noch mehr gehen.

Vor über einem Jahr habe ich eine Ausbildung zur Pferdeverhaltenstherapeutin begonnen, die mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet hat. Ich kann nur jedem empfehlen die Möglichkeit zu nutzen, Neues auszuprobieren, sich im Pferdebereich weiterzubilden.

Sich im Pferdebereich weiterbilden heißt doch im Grunde auch immer, sich persönlich weiterbilden.

Auch wenn ich mich für andere Wege und Techniken entschieden habe als ich dort lernen durfte, so haben sich mir doch solche Welten aufgetan, dass ich wirklich dankbar bin für diese Erfahrungen.

Einer der Kernmomente war, als ich meine innere Energie fand.

Schon zu Beginn des Kurses wurden wir in den Longierzirkel gestellt, mit nichts als einer Longe, die wir eigentlich nicht benutzen sollten und einem frei laufenden Pferd. Die Ansage war: Jetzt schick das Pferd vorwärts – mit deiner inneren Energie. Ich kannte das nicht, bislang hatte ich immer mit einer Peitsche oder zumindest einer Gerte gearbeitet. Plötzlich so nackt dazustehen, ließ mich völlig erstarren.

Dieser Moment offenbarte zeigte mir meine Verletzbarkeit, meine Ängste, meine Unsicherheiten, meine Selbstzweifel und meine inneren Konflikte.

Es war, als würde dieser Moment all meine Schwächen aufdecken, sie jedem präsentieren und noch dazu mir zeigen, dass ich von Pferden und der Kommunikation mit ihnen nicht das Geringste wüsste. Ich probierte es ein paar Sekunden oder Minuten, vielleicht auch länger. Die Zeit, die ich dort mit dem Wallach Doolittle verbrachte, kann ich absolut nicht einschätzen. Es klappte nicht, egal was ich probierte.

Als ich mich leicht zur Seite drehte, kam er sofort zu mir herein. Ich hatte ihn viel zu früh „eingeladen“. Heute denke ich, dass ich doch eine Verbindung geschaffen haben muss, sonst wäre Doolittle niemals zu mir gekommen. Vielleicht spürte er auch meine Verzweiflung und war einfach froh darüber, als das Spektakel beendet war. Ich weiß es nicht.

Mit Energie kommunizieren

Was ich weiß ist, dass ich aus dieser Erfahrung anders herausgegangen bin, als ich vorher war. Ich habe angefangen an die Bedeutung der inneren Energie zu glauben. Sah ich doch, wie das selbe Pferd bei anderen fröhlich losgalopierte und bei mir kaum einen Schritt zeigte.

Manchmal, wenn ich meine innere Energie wirklich spüre, dann fühlt sich das so an, als würde ich das Pferd damit berühren und anschieben.

Sobald ich sie gefunden habe, merke ich sofort, wie das Pferd darauf reagiert. Nach meinem Aha-Erlebnis mit Doolittle hat es noch einige Versuche gebraucht, bis ich meine innere Energie fand. Es reichte leider nicht, zu verstehen, dass sie existiert. Ich musste sie selbst in mir spüren und den On-Knopf finden.

Der Beweis dafür, dass sich etwas getan hatte war, als ich das nächste mal auf Doolittle traf. Die Tempiwechsel waren auf einmal mühelos. Mit dieser hochgefahrenen Energie und dem Gefühl, jetzt aber auch wirklich jedes Pferd gut vorwärts zu bekommen, ging ich an das nächste Pferd, die Stute Daina.

Ich schaute entschlossen in ihre Richtung, meine Energie aufbauend und sie schoss im wilden Galopp los. Es brauchte ein paar Minuten um sie wieder zu beruhigen. Schon wieder eine wichtige Lektion: Es reicht nicht, die Energie hochzufahren, ich muss sie flexibel anpassen können. An mich, an das Pferd, an die jeweilige Situation. Das gehört wohl mit zu den größten Herausforderungen der Pferdekommunikation.

Die Magie liegt in mir

Dank dieser Erkenntnisse hatte ich endlich das Gefühl, meinem Ziel näher zu kommen eine feine, pferdegerechte und klare Kommunikation mit den Pferden zu entwickeln. Ich glaube, es gibt ganz viele verschiedene Wege dies zu tun und jeder Pferdemensch muss da seinen eigenen Weg finden und gehen. Die innere Energie ist dabei aber das Tüpfelchen auf dem I. Ohne sie ist es nur Technik.

Damit die Kommunikation wirklich fein, klar und pferdegerecht wird, muss ich zuallererst mit mir selbst in Verbindung treten.

Sobald ich das tue finde ich meine innere Energie. In diesen Momenten entsteht plötzlich die Magie. Es ist diese Verbindung mit dem Pferd und zugleich mit mir selbst, die bewirkt, dass Verständnis herrscht. Verständnis, Verbindung, Vertrauen. Denn: Die Magie liegt in mir. Dort war sie schon immer. Das einzige was ich tun musste war, sie zu finden.


#Pferdekommunikation #Theaterpraxis #Energie

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